Gendern, Emojis & KI: Diese Sprachrevolution verändert jetzt Ihren Büroalltag! 

Wenn Sprache plötzlich Politik wird (und das Büro zur Bühne)

Was wäre, wenn Ihr nächstes offizielles Schreiben plötzlich beanstandet würde – nicht, weil der Inhalt falsch, sondern weil ein Sternchen zu viel darin steht? Genau diese Szene spielt sich derzeit in vielen Büros und Behörden ab. In Sachsen wurde das Verbot von Genderschreibweisen an Schulen verlängert, Verstöße gelten als Fehler. Ähnliche Vorschriften existieren in Bayern, Schleswig-Holstein oder Sachsen-Anhalt. Was als sprachliche Detailfrage begann, ist längst zu einem Symbol geworden: für Wandel, Identität und Verständlichkeit.

Dr. Laura Neuhaus, seit 2024 Leiterin der Duden-Redaktion, sieht darin jedoch keinen Kulturkampf, sondern eine Chance, Sprache neu zu denken. Im Interview mit MDR AKTUELL sagt sie klar:


„Mir ist es ganz wichtig, das Thema Gendern aber nicht auf diese Sonderzeichen zu reduzieren, um die so viel gestritten wird.“

Dieser Satz klingt wie ein Befreiungsschlag für alle, die sich zwischen Sprachgefühl und Regelwerk verlieren. Denn wer täglich E-Mails, Protokolle und Einladungen formuliert, weiß: Es geht nicht um Sterne, sondern um Menschen. Gendern bedeutet in Neuhaus’ Worten nicht, „eine orthografische Pflicht zu erfüllen“, sondern bewusst Sprache zu wählen, die niemand ausschließt.

Was in Schulen untersagt ist, darf im Büro reflektiert gestaltet werden. Neuhaus betont den Kontextbezug:

„Die Regelung des Rats für deutsche Rechtschreibung gilt für den öffentlichen Bereich, also in Institutionen und eben ganz besonders an Schulen. In meinem privaten Chat oder in Social Media kann ich davon abweichen.“

Damit öffnet sich ein Spannungsfeld, das Büroprofis täglich navigieren müssen: Zwischen staatlicher Norm und unternehmerischer Kommunikationsfreiheit liegt der reale Alltag der Assistenzen, Sekretärinnen und Office-Manager:innen. Gerade sie sind es, die Sprache im Unternehmen sichtbar machen – auf Briefbögen, in E-Mails, auf Webseiten.

Und hier zeigt sich der Sprachwandel im Büroalltag durch Gendern und KI in seiner ganzen Dynamik: Während Regeln Orientierung bieten, fordern digitale Werkzeuge, ChatGPT-Texte und Social-Media-Posts mehr Flexibilität als je zuvor. Sprache ist kein starres Korsett mehr, sondern ein Werkzeugkasten, den jede und jeder anders nutzt – mit Bedacht, Stil und Haltung.

  


Gendern zwischen Regel und Realität: Warum Verständlichkeit das neue Stilideal ist

Im Büro ist Sprache Ihr tägliches Handwerkszeug – präzise, verlässlich, manchmal auch diplomatisch. Doch sie ist längst mehr als bloß ein Mittel zur Information. Sie ist Markenzeichen: Ihrer Persönlichkeit, Ihres Unternehmens, Ihrer Haltung. Wenn also das Gendern zur Diskussion steht, geht es immer auch um Identität im beruflichen Kontext.

Laura Neuhaus beschreibt Gendern als Möglichkeit, nicht als Zwang:

„Wir zeigen Möglichkeiten auf, wie man gendern kann, wenn man daran interessiert ist, sich geschlechtergerecht auszudrücken.“

Das heißt: Niemand muss, aber jeder darf. Diese Formulierung passt perfekt in moderne Bürokulturen, in denen Vielfalt, Respekt und Verständlichkeit zentrale Werte sind. Sie weist gleichzeitig darauf hin, dass Sprache frei bleiben darf – aber bewusst gewählt werden sollte.

Gendergerechte Formulierungen sind kein modischer Exzess. Neuhaus verweist auf Alternativen, die jenseits von Sternchen und Doppelpunkten liegen:

„Man kann sich auch geschlechtsübergreifend und geschlechtssensibel mit ganz vielen anderen schönen Möglichkeiten der deutschen Sprache ausdrücken, seien es Wörter wie ‚Mitglied‘, ‚Leute‘, ‚Person‘ oder ‚Leitung‘.“

Für Büroprofis bedeutet das: Wer Texte erstellt, kann Gendern elegant und unauffällig integrieren – durch neutrale Begriffe, aktive Satzstrukturen oder den bewussten Wechsel zwischen Plural- und Partizipformen („die Mitarbeitenden“, „alle Teilnehmenden“). Damit wird Inklusion Teil Ihres Sprachstils, nicht Ihrer Rechtschreibprüfung.

Die wichtigste Konstante bleibt, was Neuhaus betont:

„Sprache muss verständlich sein – ist daran nicht zu rütteln.“

Verständlichkeit ist das neue Stilideal. Wer gendergerecht formuliert, aber den Satz so verschachtelt, dass niemand ihn mehr versteht, hat das Ziel verfehlt. Professionelle Kommunikation heißt, Balance zu halten: präzise, inklusiv, lesbar.

Vielleicht ist das auch der Grund, warum sich der Duden bewusst neutral positioniert. Er beschreibt Sprache, er verordnet sie nicht. In dieser Haltung liegt eine Lehre für alle, die im Büro schreiben: Es geht nicht darum, Recht zu haben, sondern richtig verstanden zu werden.

  

KI als Motor des Sprachwandels: Wenn Algorithmen Stil lernen

Wer hätte vor wenigen Jahren gedacht, dass Künstliche Intelligenz nicht nur Daten auswertet, sondern ganze Texte schreibt – von E-Mails bis Reden? Genau hier begegnet uns der Sprachwandel im Büroalltag durch Gendern und KI in seiner modernsten Form. Viele Assistenzen erleben ihn täglich: Ein Klick, und ChatGPT formuliert höflicher, inklusiver oder stilistisch sicherer als mancher Kollege. Doch wer entscheidet eigentlich, was „richtig“ ist?

Laura Neuhaus sagt dazu im MDR-Interview:

„Davon ist nicht auszugehen, weil die Rechtschreibregeln wirklich mit ganz viel Detailarbeit und auch mit Einzelfallentscheidungen gemacht werden.“

Sie grenzt damit die menschliche Urteilskraft klar von der maschinellen Berechnung ab. KI kann helfen, aber sie ersetzt nicht das Sprachgefühl – diese intuitive Balance zwischen Regel und Wirkung. Neuhaus nennt ein schönes Beispiel: das Wort „Lizenzieren“.

„Das wird ganz oft falsch geschrieben … als ‚Lizensieren‘. … Jetzt könnte man ja sagen: Ändert das doch mal und lasst die Variante mit ‚S‘ zu. Aber es ist gut und richtig, dass der Rat das nicht macht.“

Dieses Beispiel ist sinnbildlich: KI würde vielleicht die häufigere Schreibweise bevorzugen, der Mensch jedoch erkennt den Stammprinzip-Zusammenhang. Sprache bleibt also ein System aus Bedeutung, Herkunft und Kontext – nicht aus Statistik.

Für das Büro heißt das: Nutzen Sie KI als Assistentin, nicht als Autorin. Sie hilft, Formulierungen zu prüfen, gendergerechte Varianten zu finden oder eine E-Mail empathischer zu machen. Doch das letzte Wort hat Ihr Stil – und Ihre Verantwortung.

Denn gerade in offiziellen Schreiben zeigt sich Professionalität nicht durch starre Korrektheit, sondern durch den bewussten Umgang mit Sprache. Wenn ChatGPT Ihnen eine höfliche, aber distanzierte E-Mail anbietet, dürfen Sie sie ruhig menschlicher machen. Wenn das Tool ein Sternchen vorschlägt, prüfen Sie, ob Ihr Gegenüber es versteht. Genau das meint Neuhaus, wenn sie betont, dass Sprache „Werkzeug“ sei – und kein Automatismus.


KI als Assistentin – nicht als Autorin

   

Zwischen Emojis und Etikette: Wie digitale Kommunikation neue Regeln schreibt

Während Gendern und KI den Schreibstil verändern, erobern Emojis den Büroalltag – manchmal still, manchmal schrill. Ein Daumen hoch ersetzt das „einverstanden“, ein lächelndes Gesicht entschärft Kritik, und plötzlich diskutiert man, ob man im Protokoll wirklich ein 😉 setzen darf.

Auch hier zeigt sich, wie sehr sich der Sprachwandel im Büroalltag durch Gendern und KI – und nun durch Bilderzeichen – auf unsere tägliche Kommunikation auswirkt. Laura Neuhaus findet diese Entwicklung faszinierend:

„Emojis sind so ein spannendes Feld … Das Tolle daran ist ja, dass das Bilder sind, die man einfach so zum Text hinzufügen kann und die gleichzeitig die verschiedensten Interpretationen erlauben.“

Doch genau darin liegt das Risiko. Denn während Worte nachschlagbar sind, bleiben Emojis Interpretation. Neuhaus bringt es auf den Punkt:

„Bei Emojis geht es ja immer um Gefühle. … Wenn man so ein Emoji-Wörterbuch wirklich erstellen würde, wäre es noch viel schwieriger als bei Wörtern, die Bedeutung ganz klar festzuschreiben.“

Im Büro kann das Missverständnisse schaffen. Was privat charmant wirkt, kann dienstlich unprofessionell erscheinen. Ein Tränen-Emoji kann Mitleid oder Ironie bedeuten; ein Zwinkern kann Kollegialität ausdrücken – oder Anzüglichkeit. Genau deshalb mahnt Neuhaus zur Kontext-Sensibilität: Sprache – auch die bildhafte – lebt vom gemeinsamen Verständnis.

Für Sie als Office-Profi heißt das: Verwenden Sie Emojis bewusst. In internen Chats fördern sie Nähe und Teamgeist, in Kundenschreiben eher Zurückhaltung. Denken Sie daran, dass digitale Kommunikation Tonfall ersetzt – nicht ersetzt werden sollte.

Im Grunde gilt, was Neuhaus über Sprache im Allgemeinen sagt:

„Sprache ist ja glücklicherweise etwas, was Menschen auch emotional bewegt.“

Und das gilt heute mehr denn je – auch, wenn ein Smiley die Emotion transportiert.

  

Sprachkultur in Bewegung: Zwischen Tradition und Transformation

„Wir reden heute nicht mehr so, wie Goethe und Schiller miteinander gesprochen haben“, sagt Laura Neuhaus mit einem fast amüsierten Unterton im MDR-Interview. In diesem Satz steckt das ganze Geheimnis des Sprachwandels im Büroalltag durch Gendern und KI. Sprache wandelt sich, weil Menschen sich wandeln. Und dieser Wandel ist kein Verlust, sondern ein Zeichen lebendiger Kommunikation.

Im Büro zeigt sich das in jeder Zeile: Wo früher die klassische Anrede „Sehr geehrte Damen und Herren“ dominierte, finden sich heute Varianten wie „Guten Tag zusammen“ oder „Liebes Team Marketing“. Nicht weniger korrekt, aber menschlicher. Sprache ist im Wandel, und das bedeutet für Büroprofis: Sie dürfen die Balance zwischen Norm und Nähe lernen.

Laura Neuhaus betont, dass dieser Wandel nicht im luftleeren Raum passiert:

„Sprachlicher Wandel ist zum einen immer auch Abbild der gesellschaftlichen Entwicklung. Zum anderen ist er etwas, was weitergeht. So ist Sprache eben auch ein Werkzeug.“

Ein Werkzeug, das man kennen, pflegen und anpassen muss – ähnlich wie eine gute Software. Wer in Textverarbeitung, E-Mail-Tools oder KI-Assistenzsystemen arbeitet, weiß: Sprache ist längst digitalisiert. Doch gerade deshalb brauchen wir Orientierung, wenn Algorithmen und Menschen gemeinsam Texte formen.

Warum verständliche Sprache Führung zeigt: Moderne Korrespondenz im Büro: Schreiben zwischen Klarheit und Beziehung

Übersicht: Duden, DIN 5008, Internet & Textreader – Was gilt wo?

Damit Sie im Büroalltag sicher schreiben, folgt hier eine praxisnahe Übersicht. Sie zeigt, wie offizielle Normen und neue Medien mit dem Sprachwandel umgehen – und was Sie konkret daraus ableiten können.

Quelle / Institution Haltung zum Gendern & Sprachwandel Relevanz für den Büroalltag Praxis-Tipp
Duden Gendern ist nicht verpflichtend, aber erwünscht, wenn geschlechtergerechter Ausdruck Ziel ist. Sonderzeichen (Stern, Doppelpunkt, Unterstrich) sind nicht Teil der amtlichen Rechtschreibung, werden aber beschrieben. Orientierungshilfe für verständliche, inklusive Sprache. Nutzen Sie neutrale Formen wie Leitung, Team, Mitglied oder alle Mitarbeitenden.
Rat für deutsche Rechtschreibung Bestimmt den amtlichen Regelrahmen. Sonderzeichen gelten nicht als Standard, dürfen aber privat verwendet werden. Gilt für Schulen, Ämter, öffentliche Kommunikation. In offiziellen Schreiben: lieber neutrale Begriffe statt Sonderzeichen.
DIN 5008 (Schreib- und Gestaltungsregeln) Bezieht sich auf formale Gestaltung, nicht auf Genderfragen. Empfiehlt jedoch „adressatengerechte und klare Ausdrucksweise“. Wichtig für Korrespondenz, Protokolle, Angebote. Gendern erlaubt, wenn es der Verständlichkeit dient. Einheitliche Schreibweise im Unternehmen festlegen.
Internetkommunikation (Social Media, E-Mail, Chats) Sprache ist frei, kreativ, oft experimentell. Genderformen, Emojis und Abkürzungen verändern Normen dynamisch. Informelle Kommunikation – persönliche Ansprache zählt. Achten Sie auf Tonalität und Zielgruppe: intern lockerer, extern klarer.
Textreader & Screenreader (Barrierefreiheit) Lesen Sonderzeichen unterschiedlich: Stern oder Doppelpunkt werden ausgesprochen und können das Hörerlebnis stören. Relevant für barrierefreie Kommunikation und Inklusion. Verwenden Sie bei barrierefreien Texten lieber neutrale Begriffe statt Sternchenformen.

Gender-Doppelpunkt und Barrierefreiheit: Wenn Technik Sprache hört

Auf den ersten Blick wirkt der Doppelpunkt („Mitarbeiter:innen“) wie die eleganteste und neutralste Lösung im Gendern: kein Stern, kein Unterstrich, optisch dezent, sprachlich fließend. Doch bei genauerem Hinhören – im wahrsten Sinne des Wortes – zeigt sich ein Problem: Screenreader-Programme, die Texte laut vorlesen (z. B. für sehbehinderte Menschen), interpretieren den Doppelpunkt unterschiedlich.

🔊 Wie Screenreader den Doppelpunkt lesen

  1. Je nach Software und Stimme wird der Doppelpunkt ausgesprochen – etwa als „Doppelpunkt“ oder durch eine kurze Pause.
    → Beispiel: „Mitarbeiter Doppelpunkt innen“ oder „Mitarbeiter … innen“.

  2. Manche Systeme (z. B. ältere Versionen von JAWS oder NVDA) überspringen ihn oder erzeugen eine zu lange Pause, die den Lesefluss stört.

  3. Neuere Sprachsynthesen (z. B. Apple VoiceOver, Google Read Aloud) versuchen zu erraten, ob der Doppelpunkt Teil eines Genderausdrucks ist – was aber nicht immer gelingt.

Das Ergebnis: Der Sinn des Wortes wird nicht immer korrekt wiedergegeben. Für hörende Nutzer:innen klingt das dann irritierend oder sogar unverständlich. Ein Satz wie

„Die Teilnehmer:innen treffen sich um 10 Uhr“
kann je nach Reader als
„Die Teilnehmer Doppelpunkt innen treffen sich um zehn Uhr“
vorgelesen werden – und verliert so an Klarheit und Natürlichkeit.

🧭 Empfohlene Alternativen für barrierefreie Texte

Barrierefreiheit heißt: Verständlichkeit für alle Sinne. Das schließt hörbare Verständlichkeit mit ein. Deshalb empfehlen Expert:innen und Organisationen für digitale Barrierefreiheit:

Form Barrierefrei empfohlen? Hinweis
Mitarbeiter:innen ⚠️ Eingeschränkt – je nach Screenreader wird der Doppelpunkt hörbar Für Web-Texte nur bedingt geeignet.
Mitarbeiter*innen ⚠️ Ebenfalls eingeschränkt – Stern wird teilweise als „Sternchen“ ausgesprochen Besser vermeiden in barrierefreien Dokumenten.
Mitarbeiter_innen 🚫 Unterstrich wird meist mitgelesen Nicht geeignet.
Mitarbeitende / Team / Leitung / Beschäftigte ✅ Uneingeschränkt geeignet Voll barrierefrei und verständlich.

💡 Best Practice:
In barrierefreien Texten sollten geschlechtsneutrale oder partizipiale Formen bevorzugt werden („Studierende“, „Lehrkräfte“, „Führungspersonen“). Diese werden von allen Screenreadern problemlos interpretiert und klingen natürlich.

🧩 Fazit: Inklusion ist mehr als Sichtbarkeit

Gendern will Sichtbarkeit schaffen – Barrierefreiheit will Teilhabe ermöglichen. Beide Ziele dürfen sich nicht widersprechen. Der Doppelpunkt ist also kein Fehler, aber nicht für alle barrierefreien Umgebungen optimal. Wenn Sie z. B. Webseiten, PDFs oder Newsletter erstellen, die mit Screenreadern gelesen werden, sollten Sie auf neutrale Begriffe umsteigen.

Oder, um es mit Laura Neuhaus zu sagen:

„Man kann sich auch geschlechtsübergreifend und geschlechtssensibel mit ganz vielen anderen schönen Möglichkeiten der deutschen Sprache ausdrücken.“

So wird Sprache wirklich inklusiv – sichtbar, hörbar und verständlich.


Gendergerechte Stellenanzeigen schreiben

 

Sprache verstehen: Verständlichkeit als Führungsqualität

Sprache ist Macht – aber nur, wenn sie verstanden wird. In Zeiten von Genderzeichen, Emojis und KI-Formulierungen wird Verständlichkeit zur neuen Führungsqualität im Büroalltag. Wer klar spricht und schreibt, führt nicht nur Gespräche, sondern auch Menschen.

Laura Neuhaus erinnert daran, dass Verständlichkeit das oberste Prinzip bleibt:

„Sprache muss verständlich sein – ist daran nicht zu rütteln.“

Diese Haltung ist ein Leitsatz, der weit über den Duden hinausgeht. Verständliche Sprache ist kein Zeichen von Einfachheit, sondern von Respekt. Sie bedeutet, Komplexes so zu formulieren, dass es ankommt – bei allen.

Gerade im Büro ist das entscheidend. Ob in einer Teamsitzung, in einer E-Mail an die Geschäftsführung oder bei der Erstellung eines Newsletters – verständliche Kommunikation schafft Orientierung. Sie vermeidet Missverständnisse, senkt Rückfragen und stärkt die Zusammenarbeit.

In Führungssituationen zeigt sich, dass Klarheit immer mit Empathie einhergeht. Eine klare Sprache berücksichtigt das Gegenüber. Das gilt besonders für barrierefreie Kommunikation, die sehen, hören und fühlen lässt, was gemeint ist. Nach all den Diskussionen um Genderzeichen, Stilfragen und Textnormen ist dies die wahre Essenz:
Verständlichkeit ist keine Stilfrage – sie ist eine Haltung.

Führungsqualität in Sprache heißt also: Entscheidungen treffen, Begriffe erklären, und auch mal Widerspruch aushalten. Wer verständlich kommuniziert, wird gehört. Und wer gehört wird, kann gestalten.

Oder, um es rhetorisch zuzuspitzen: Was nützt Ihnen das schönste Gendersternchen, wenn Ihre Botschaft niemand versteht?

KI-Werkzeuge im Büro bewusst einsetzen: ChatGPT-Agentenmodus im Büroalltag: Was er wirklich kann – und was nicht

   

Warum gutes Schreiben Zukunftskompetenz ist

Schreiben war früher eine Pflicht – heute ist es eine Kompetenz. Und morgen? Eine Schlüsselqualifikation. Denn in einer Welt, in der Künstliche Intelligenz Texte in Sekunden generiert, gewinnt das menschliche Sprachgefühl wieder an Bedeutung.

Laura Neuhaus bringt das Spannungsfeld zwischen Mensch und Maschine charmant auf den Punkt:

„Manche Dinge scheinen schwierig, sind aber im Gesamtsystem einfach.“

Genau hier liegt die Zukunft: Das Wissen um Nuancen, um Wirkung, um Ton. KI kann grammatisch korrekt formulieren – aber sie kann nicht nachempfinden, wie es klingt, wenn man „Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme!“ schreibt, statt „Ihre Teilnahme ist erwünscht.“

Für Office-Profis bedeutet das: Wer schreibt, führt. Nicht nur Projekte, sondern Wahrnehmung. Jedes Memo, jede Einladung, jedes Meeting-Protokoll transportiert Haltung. Die, die schreiben, prägen die Kultur.

Gutes Schreiben im Büro heißt heute:

  • klar formulieren, ohne abzukürzen,

  • inkludierend denken, ohne zu belehren,

  • modern klingen, ohne modisch zu wirken.

Das ist die wahre Kunst professioneller Kommunikation. Sie erfordert Aufmerksamkeit, Übung – und manchmal Mut. Mut, Dinge neu zu sagen.

   

Einladung zum Austausch

Wenn Sie mehr über die neuen Entwicklungen im Duden, über Gendern, KI und barrierefreie Sprache im Berufsalltag erfahren möchten, dann ist die kommende Fachtagung „Kommunikation für Profis“ genau der richtige Ort.

Schlussgedanke – Wenn Sprache atmet

Sprache ist wie ein Organismus – sie wächst, wandelt sich, reagiert. Mal flüstert sie, mal ruft sie, manchmal stolpert sie über sich selbst. Aber sie bleibt lebendig. Und vielleicht ist genau das ihr größtes Versprechen: dass wir uns über sie immer wieder neu begegnen können.

In einer Zeit, in der Algorithmen Texte schreiben, Emojis Gefühle ersetzen und Genderzeichen Grammatik erweitern, scheint Verständigung schwieriger denn je. Doch das Gegenteil ist wahr: Noch nie war Sprache so nah am Menschen. Sie spiegelt, wie wir fühlen, denken, kämpfen und hoffen.

Der Sprachwandel im Büroalltag durch Gendern und KI ist kein Bruch mit der Tradition – er ist ihre Fortsetzung mit anderen Mitteln. Es ist, als hätte die Sprache gelernt, digital zu atmen.

Und vielleicht ist genau das die schönste Aufgabe für uns alle: ihr zuzuhören, wenn sie sich verändert. Denn Sprache ist kein Besitz – sie ist eine Beziehung. Und wie in jeder Beziehung braucht es Verständnis, Geduld und ein bisschen Mut, auch dann noch zuzuhören, wenn die Worte neu klingen.

Oder, um es poetisch zu fragen:
Wenn Sprache wirklich lebt – wer wären wir, wenn wir ihr das Atmen verbieten?

Viele der hier behandelten Inhalte entstehen aus dem Austausch mit Teilnehmenden der Fachtagungsreihe des Verbands der Sekretär:innen & Assistenzen. Sie spiegeln Fragen, Erfahrungen und Entwicklungen aus dem Büroalltag rund um das Thema Professionelle Büro-Kommunikation wider. 

Immer informiert bleiben mit den Sekretärinnen-News

Melden Sie sich jetzt an und sichern Sie sich einen 5%-igen Gutscheincode für alle Weiterbildungen und die neuesten Nachrichten im Sekretariat. Wir starten mit einer Mini-Serie zu MS-Office und den 100+ Prompts im Sekretariat

passende Beiträge

>