„Du“ oder „Sie“? Diese 5 typischen Büro-Fallen bringen selbst Profis ins Stolpern – und so bleiben Sie stilvoll konsequent! 

Wenn eine Anrede über Sympathie und Stil entscheidet

Es ist Montagmorgen, Sie öffnen Ihr Postfach – und da steht sie, die heikle Mail: „Hallo Sabine, vielen Dank für Ihre Unterstützung!“ Nur… Sie heißen gar nicht Sabine. Und das „Du“? Nicht abgesprochen. Schon schwingt Irritation mit – und eine Beziehung, die eigentlich harmonisch war, bekommt einen sprachlichen Knick.

Solche Situationen kennt fast jede Sekretärin, Assistentin oder Bürokauffrau: Die Anrede ist mehr als eine Formalität – sie ist Beziehungspflege in Reinform. Sie zeigt Nähe oder Distanz, Respekt oder Nachlässigkeit. Und sie wirkt, lange bevor der Inhalt überhaupt gelesen wird.

Doch gerade im digitalen Büroalltag – zwischen E-Mails, LinkedIn-Kommentaren, Chatnachrichten und Serienbriefen – lauern Anrede-Fallen an jeder Ecke. In diesem Beitrag zeige ich Ihnen, wie Sie mit Stil, Klarheit und Strategie konsistent in der Anrede bleiben – ohne unhöflich, anbiedernd oder altmodisch zu wirken.

Wenn Sie sich schon einmal gefragt haben: „Wann ist das Du angebracht – und wann ist das Sie geboten?“, dann wird dieser Artikel Ihr neuer Leitfaden.

(Tipp: Wenn Sie generell Ihre Schreibetikette auffrischen möchten, lesen Sie auch Zeitgemäße Korrespondenz: Klar schreiben statt kopieren.)

Die digitale Falle: Zwischen Chat, Mail und Sprachgefühl

Wie locker ist zu locker?

In Microsoft Teams, Slack oder WhatsApp-Diensten ist das „Du“ längst Alltag. Doch die digitale Lockerheit verleitet dazu, auch in E-Mails oder offiziellen Schreiben Grenzen zu verwischen.

Ein Beispiel:
„Hi Peter, ich habe die Abrechnung nochmal angepasst – liebe Grüße, Julia.“
Das klingt freundlich, aber wirkt im Geschäftsverkehr mit Externen oft zu privat. Gerade in Büros, die zwischen klassischen Strukturen und digitalem Wandel leben, ist das Gefühl für situative Sprache entscheidend.

Faustregel:
<img decoding=“ /> Die Plattform darf locker sein – der Stil bleibt professionell.

Verwenden Sie im Chat gerne das „Du“, doch achten Sie in der E-Mail-Kommunikation auf konsistente Tonalität. Ein neutraler, höflicher Stil signalisiert Kompetenz und Respekt, ohne steif zu wirken.

(Mehr Tipps dazu finden Sie im Beitrag Klare E-Mail-Formulierungen im Sekretariat.)

 

 

Die Hierarchie-Falle: Nähe, die Distanz schafft

Duz-Kultur oder Stilbruch?

Sie duzen Kolleginnen, aber der Chef bleibt beim „Sie“? Willkommen im sprachlichen Minenfeld moderner Teams. Viele Unternehmen pflegen Mischformen, bei denen „auf Augenhöhe“ schnell zur Stolperfalle wird.

Besonders heikel wird es, wenn Vorgesetzte einseitig duzen, aber selbst gesiezt werden wollen. Das wirkt – unbewusst – hierarchisch. Wer konsistent bleiben will, sollte Anredefragen aktiv ansprechen, nicht aussitzen.

Ein Beispiel für souveräne Klarheit:

„Ich bleibe gern beim Sie, wenn das für Sie in Ordnung ist – das passt für mich besser zum Arbeitskontext.“

So setzen Sie Grenzen mit Stil.

Lesertipp: Wie die DIN 5008 Ihre Karrierechancen im neuen Jahr steigert

 

 

Die Übergangs-Falle: Vom Sie zum Du – und zurück

Wann ist der Wechsel angebracht?

Ein „Wir können uns gern duzen“ klingt simpel – doch im Büro ist es ein Statement. Denn das Duzen verändert die Beziehungsebene. Es kann Nähe schaffen, aber auch zu locker wirken, wenn der berufliche Rahmen nicht mitzieht.

Beispiel: Auf einer Fachtagung wird Ihnen das Du angeboten, in der Nachbereitung per E-Mail folgt wieder ein „Sehr geehrte Frau…“. Das wirkt inkonsequent.

Empfehlung:
Wenn Sie das Du anbieten, tun Sie es klar und bewusst. Schreiben Sie:

„Wir arbeiten schon so lange zusammen – möchten wir zum Du übergehen?“

Zögern Sie? Dann sagen Sie freundlich:

„Vielleicht zu einem späteren Zeitpunkt, im nächsten Projekt?“

Rückkehr zum „Sie“? Möglich – aber nur mit Fingerspitzengefühl. Nach Konflikten oder Rollenwechseln etwa. Dann besser neutral formulieren („Guten Morgen, Anna Meier“), bis der neue Ton gefunden ist.

 

 

Die Konsistenz-Falle: Wenn Stil zum Zufall wird

Ihr Schreibstil ist Ihre Visitenkarte

Eine E-Mail beginnt mit „Sehr geehrte Frau Müller“ und endet mit „Viele Grüße, Claudia“. Klingt freundlich, aber nicht professionell. Stilbrüche entstehen oft unbewusst – durch alte Textbausteine, wechselnde Vorlagen oder automatisierte Tools.

Konsistenz bedeutet: Jeder Satz, jede Grußformel, jedes Pronomen muss denselben Ton tragen. Sprache ist wie Kleidung: Sie darf modern sein, aber bitte stimmig.

Praxis-Tipp:
Überprüfen Sie regelmäßig Ihre Korrespondenz-Vorlagen. Besonders bei CRM-Tools und Serienbriefen schleichen sich Mischformen ein.

Bereich Typische Falle Stilvolle Variante
Newsletter Mischung aus „Du“ und „Sie“ Einheitlicher Stil pro Kampagne
Serienbrief „Hallo <Vorname>“ an Fremde „Sehr geehrte/r …“
Signatur „Viele Grüße, Claudia“ bei förmlichem Schreiben „Mit freundlichen Grüßen“

Kleine Korrekturen machen hier den großen Unterschied.

 

 

Die Kultur-Falle: Zwischen Generationen und Regionen

Sprachgefühl ist auch Kulturkompetenz

In Hamburg wirkt ein „Sie“ distanziert, in München höflich. Während Start-ups in Berlin duzen, bleibt man in Behörden beim „Sie“. Und dazwischen? Generation Z empfindet Distanz als kühl, Babyboomer als respektvoll.

Das Geheimnis liegt in der Balance: Anpassung ja, Beliebigkeit nein.
Beobachten Sie Ihr Gegenüber, achten Sie auf die Unternehmenskultur – und bleiben Sie authentisch.

Ein Tipp aus der Praxis: Notieren Sie sich bei neuen Kontakten im CRM oder Outlook, welche Anrede verwendet wird. So behalten Sie auch bei wechselnden Ansprechpartnern Konsistenz.

Schlussgedanke: Sprache ist Haltung – keine Nebensache

Ob „Du“ oder „Sie“ – Ihre Anrede ist Ausdruck Ihrer Haltung. Sie zeigt, wie Sie Nähe, Respekt und Professionalität ausbalancieren. In einer Zeit, in der Künstliche Intelligenz Texte schreibt, wird menschliche Stilkompetenz zum echten Unterschied.

Bleiben Sie also konsistent, bewusst und empathisch. Denn jedes „Du“ und jedes „Sie“ erzählt etwas über Ihre Professionalität – noch bevor Sie das erste Wort geschrieben haben.

Ihre häufigsten Fragen zur konsistenten Anrede

1. Was tun, wenn mich jemand duzt, ich aber beim Sie bleiben möchte?
Freundlich reagieren: „Ich bleibe lieber beim Sie, danke.“ Das wirkt respektvoll, nicht steif.

2. Soll ich Kundinnen duzen, wenn sie mich in sozialen Netzwerken anschreiben?
Nur, wenn Ihr Unternehmensstil und Ihr Profil das Du unterstützen. Sonst höflich bleiben.

3. Wie kann ich im Team eine einheitliche Anrede einführen?
Über einen Kommunikationsleitfaden oder eine Teamabsprache. Klare Regeln = weniger Verwirrung.

4. Ist ein Wechsel vom Du zurück zum Sie möglich?
Ja, aber sensibel. Am besten im persönlichen Gespräch oder durch neutrale Zwischenformen.

5. Wie gehe ich mit internationalen Teams um?
Nutzen Sie neutrale Anreden („Dear Alex Miller“) und vermeiden Sie kulturelle Schnellschüsse.

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