Achtung KI: Wie schöne Bilder unsere Demokratie gefährden können 

KI, Klischees und Kontrolle – Was Sekretärinnen über die dunklen Seiten künstlicher Intelligenz wissen sollten

Stellen Sie sich vor, eine Kollegin zeigt Ihnen ein scheinbar harmloses KI-generiertes Bild: eine blonde, lächelnde Frau in einem gemütlichen Wohnzimmer mit Kreuz an der Wand. Alles wirkt wie aus der Zeit gefallen – fast kitschig perfekt. Und jetzt stellen Sie sich vor, dieses Bild wurde gezielt eingesetzt, um unterschwellig eine politische Botschaft zu transportieren. Willkommen im Zeitalter der digitalen Manipulation.

Der Vortrag von Roland Meyer auf der re:publica 2025 ist kein technischer Exkurs – er ist ein Weckruf. Ein Weckruf für alle, die in der öffentlichen Verwaltung, in Behörden oder an Schnittstellen zur Bürgerkommunikation arbeiten. Ein Weckruf für Sekretärinnen, die täglich mit Bildsprache, Texten und Informationen umgehen und die, oft unbemerkt, in der Frontlinie stehen, wenn es um digitale Kommunikation und Manipulation geht.

Worum geht es wirklich?

Roland Meyer zeigt in seinem Vortrag auf, wie rechte Gruppierungen, Influencer und Politiker weltweit generative KI nutzen, um Bilder zu erschaffen, die nicht Realität abbilden – sondern Gefühle erzeugen, Sehnsüchte wecken und politische Botschaften verschleiert transportieren. Diese Bilder sind keine harmlosen Memes. Sie sind digitale Waffen, verpackt in Retroästhetik und sentimentalen Klischees.

Er nennt es „ästhetische Anschlussfähigkeit“: Die KI erzeugt Bilder, die vertraut wirken, weil sie auf alten Mustern beruhen. Werfen Sie nur einen Blick in einen KI-Bildgenerator: eine Happy German Family ergibt fast immer ein blasses 1950er-Jahre-Idyll. Warum? Weil die Trainingsdaten voller Klischees stecken – und weil genau diese Klischees massentauglich und damit gefährlich anschlussfähig sind.

Was hat das mit Ihrem Arbeitsalltag zu tun?

Vielleicht denken Sie: „Ich arbeite im Sekretariat. Ich habe mit politischen Kampagnen nichts zu tun.“ Aber das täuscht.

Denn:

  • Sie gestalten Broschüren, Präsentationen oder Aushänge.
  • Sie kommunizieren über Social Media oder bereiten Unterlagen für Vorgesetzte vor.
  • Sie bewerten Bilder, Texte und Formulierungen auf Wirkung und Zielgruppenverständlichkeit.

Und genau hier fängt es an: Wenn KI-Tools zunehmend für Bild- und Texterstellung genutzt werden – auch in Behörden – stellt sich die Frage: Wessen Realität wird da eigentlich gezeigt?

5 Gedankenanstöße für Sekretärinnen in Behörden

Klischees entlarven: Wenn Sie ein KI-generiertes Bild oder einen Text nutzen, prüfen Sie: Verstärkt es stereotype Vorstellungen (z. B. ausschließlich weiße Menschen, klassische Rollenbilder, glatte Ästhetik)? Dann lohnt es sich, Alternativen zu suchen – und ggf. gezielt Vielfalt zu erzeugen.

Kontext mitdenken: Die KI zeigt nicht, was ist, sondern was sein könnte – basierend auf früheren Daten. Ein Bild sagt nicht automatisch die Wahrheit. Es kann manipulieren – emotional und politisch.

Machtstrukturen erkennen: Meyer zeigt, wie Plattformen wie Meta oder Konzerne wie OpenAI auf Datenzugang drängen – nicht, um kreative Vielfalt zu fördern, sondern um Macht und Kontrolle über digitale Bildwelten zu gewinnen.

Bildsprache bewusst wählen: Egal ob Sie ein Instagram-Bild posten oder einen Bürgerflyer gestalten – jede Darstellung prägt Wahrnehmung. Machen Sie sich bewusst: Mit welchen Bildern zeigen wir unsere Verwaltung? Wer fehlt darin? Welche Emotionen werden geweckt?

Mut zur digitalen Ethik: Sie dürfen skeptisch sein. Nein, Sie müssen sogar skeptisch sein. Denn wer Verantwortung trägt – auch in der Verwaltung – sollte nicht nur effizient, sondern auch verantwortungsvoll kommunizieren.

Was ist besonders brisant?

Meyer zeigt, wie rechtsextreme Gruppen KI nicht nur als Werkzeug, sondern als Ideologie-Vehikel nutzen. Mit „Midjourney“ oder „Sora“ werden Geschichten erzählt, die nie passiert sind, aber sich echt anfühlen. Das gefährlichste daran? Sie bedienen sich der Ästhetik von Heimat, Ordnung, Stärke – und werden dabei von KI unbewusst verstärkt.

Und während Plattformen wie Meta in Echtzeit über unsere Reaktionen lernen, beeinflussen sie gleichzeitig, was sichtbar bleibt – und was nicht. Das ist nicht nur ein technisches, sondern ein demokratisches Problem.

Kann man KI auch „anders“ nutzen?

Eine wichtige Frage. Und eine ernüchternde Antwort: Roland Meyer bleibt skeptisch. Zu tief sind die aktuellen KI-Systeme in kommerzielle Interessen und klischeehafte Weltbilder eingebettet. Wer heute mit KI arbeitet, arbeitet immer auch mit den Trainingsdaten und den Zielen der Entwickler im Hintergrund.

Doch: Wissen ist Macht. Und wer versteht, wie diese Bilder entstehen und warum sie wirken, kann sie durchbrechen. Genau das ist Ihre Chance als Sekretärin: Medienkompetenz mit Ethik verbinden. Bilder hinterfragen. Vielfalt einfordern. Sensibilisieren. Weiterbilden.

Und jetzt?

Roland Meyers Vortrag ist unbequem, anspruchsvoll – und extrem wichtig. Es geht nicht um Panikmache. Es geht darum, verantwortungsvoll mit KI umzugehen. Denn die Verwaltung ist kein Maschinenraum – sie ist ein Ort, an dem Demokratie konkret wird.

Nutzen Sie 30 Minuten für Ihre digitale Bildung. Und für ein besseres Bauchgefühl im Alltag.

Hier geht’s zum Vortrag auf YouTube:
Generative KI und die Ästhetik des digitalen Faschismus – Roland Meyer auf der re:publica 2025

https://www.youtube.com/watch?v=JZpi6Irzvd0

Empfehlung für Ihre Verwaltung:

Teilen Sie den Link in Ihrer Fachgruppe. Diskutieren Sie beim nächsten Teammeeting über Bildnutzung und Ethik in der digitalen Kommunikation. Oder machen Sie einen „Bild-Check“ mit Kolleginnen – das lohnt sich.

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