Die Besprechung ist beendet. Früher begann jetzt für viele Sekretärinnen und Assistenzen der zweite Teil der Arbeit: Notizen sortieren, Entscheidungen herausfiltern, Aufgaben zuordnen, das Protokoll schreiben und anschließend prüfen, ob wirklich alle dasselbe beschlossen hatten. Heute kann eine KI bereits während des Meetings mitschreiben, Inhalte zusammenfassen und Aufgaben strukturieren. Gleichzeitig überarbeitet Copilot eine E-Mail, ChatGPT greift auf verbundene Dateien zu und KI-Agenten arbeiten direkt in Office-Anwendungen.
Das klingt nach einer erfreulichen Entlastung. Und genau das kann es sein.
Doch mit den neuen Möglichkeiten verschiebt sich eine Grenze, die für den Büroalltag entscheidend ist. Lange bestand die Arbeit mit generativer KI vor allem aus einem überschaubaren Ablauf: Sie stellten eine Frage oder gaben einen Auftrag, die KI erzeugte einen Text, und Sie prüften das Ergebnis. Inzwischen erhalten KI-Systeme zunehmend Zugriff auf Besprechungen, E-Mails, Dateien, Kalender und Organisationswissen. Manche Systeme können nicht nur lesen und formulieren, sondern Daten verändern oder weitere Arbeitsschritte ausführen.
Damit stellt sich 2026 eine neue Frage: Reicht es noch, KI gut bedienen zu können – oder müssen Sie inzwischen auch wissen, wie Sie KI beaufsichtigen?
Die aktuellen Entwicklungen sprechen deutlich für die zweite Antwort.
Was verändert sich gerade bei KI im Büro?
Bei den KI-Neuerungen der vergangenen Monate fällt ein gemeinsames Muster auf. Die Systeme werden nicht einfach nur sprachlich besser. Sie rücken näher an die tatsächlichen Arbeitsprozesse heran.
ChatGPT kann über verbundene Google-Dienste auf Informationen zugreifen und – sofern die notwendigen Berechtigungen bestehen – Aktionen mit Google-Drive-Dateien ausführen. OpenAI weist ausdrücklich darauf hin, dass dafür zusätzliche OAuth-Berechtigungen erforderlich sind und Organisationen prüfen sollen, welche Aktionen innerhalb ihres Workspace freigegeben werden.
Microsoft verfolgt eine ähnliche Richtung. Copilot kann beispielsweise Excel-Arbeitsmappen per Chat bearbeiten. Microsoft dokumentiert außerdem MCP-Agenten, die direkt innerhalb von Word, Excel, PowerPoint und Outlook verfügbar sind. MCP steht für Model Context Protocol und bezeichnet vereinfacht eine technische Verbindung, über die KI-Systeme auf freigegebene Werkzeuge oder Datenquellen zugreifen können.
Für den Büroalltag ist das mehr als ein neues Softwarefeature. Es verändert die Arbeitslogik.
Wer erst grundsätzlich klären möchte, welche Rahmenbedingungen für KI im Büro sinnvoll sind, findet dazu im Beitrag Warum KI im Büro nicht an Datenschutz scheitert – sondern an schlechter Vorbereitung einen ausführlichen Einstieg. Der dort vorgeschlagene Grundgedanke bleibt auch für die neuen Funktionen wichtig: Erst Zweck und Daten prüfen, dann die KI einsetzen und anschließend das Ergebnis fachlich kontrollieren.
Wie verändert KI die Protokollführung bei Besprechungen?
Besprechungsprotokolle gehören zu den Aufgaben, bei denen der Nutzen von KI besonders schnell sichtbar wird. Ein Gespräch wird aufgezeichnet oder transkribiert, die KI erkennt wichtige Aussagen, strukturiert Aufgaben und erstellt anschließend eine Zusammenfassung.
Google entwickelt seine Funktion „Take notes for me“ in Google Meet kontinuierlich weiter. Meetingnotizen, Transkripte und Aufzeichnungen werden inzwischen strukturiert in Google Drive abgelegt. Google bietet Administratoren außerdem die Möglichkeit, eine ausdrückliche Zustimmung der Teilnehmenden zu verlangen, bevor automatische Notizen, Aufzeichnungen oder Transkriptionen beginnen. Der Rollout dieser Einwilligungsfunktion sollte nach einer zwischenzeitlichen Pause bis zum 12. August 2026 abgeschlossen werden.
Damit zeigt sich eine Entwicklung, die für Sekretariate typisch werden dürfte: Eine Funktion kann technisch ausgesprochen komfortabel sein und organisatorisch trotzdem neue Fragen erzeugen.
Denn ein KI-Protokoll beginnt nicht erst bei der fertigen Zusammenfassung. Vorher müssen Informationen erfasst und verarbeitet werden. Bei gesprochenen Inhalten kommt in Deutschland außerdem § 201 StGB ins Spiel, der das nichtöffentlich gesprochene Wort schützt. Eine unbefugte Tonaufnahme kann strafbar sein.
Für die Praxis genügt deshalb nicht die Frage: „Kann Gemini das protokollieren?“
Viel wichtiger sind Fragen wie: Wer darf die Funktion einschalten? Sind alle Beteiligten informiert? Welche Daten entstehen? Wer erhält Zugriff auf Transkript und Zusammenfassung? Wie lange bleiben diese Informationen gespeichert?
Das Thema gehört deshalb nicht allein in die IT-Abteilung. Wer Meetings organisiert, sollte zumindest erkennen können, wann eine organisatorische oder rechtliche Klärung notwendig ist.
Gerade deshalb lohnt sich als Ergänzung der bestehende Beitrag Meeting Hygiene im Büro: Regeln für professionelle Besprechungen ohne Chaos. Denn gute KI-Protokolle ersetzen keine gute Meetingstruktur. Wenn Ziel, Agenda, Rollen und Entscheidungen unklar bleiben, dokumentiert die KI im schlimmsten Fall lediglich besonders effizient ein schlecht geführtes Meeting.
Was ändert sich, wenn KI Originaldateien bearbeiten darf?
Bei einem klassischen Chat bleibt die Trennung vergleichsweise deutlich. Sie lassen einen Text formulieren, lesen ihn, korrigieren ihn und übernehmen die passende Fassung anschließend in Ihr Dokument.
Sobald eine KI direkt mit einer verbundenen Datei arbeitet, verändert sich diese Situation.
OpenAI dokumentiert inzwischen Aktionen für verbundene Google-Dienste. Bei Google Drive können – abhängig von der Freigabe und den eingeräumten Berechtigungen – nicht nur Informationen genutzt, sondern auch Aktionen auf Dateien ausgeführt werden. OpenAI fordert Administratoren deshalb ausdrücklich auf, sowohl die Einstellungen innerhalb von ChatGPT als auch die zugehörigen Google-Workspace-Berechtigungen zu prüfen.
Der entscheidende Unterschied lässt sich knapp formulieren:
Ein Vorschlag für eine Änderung ist nicht dasselbe wie eine Änderung am Original.
Für Sekretärinnen und Office-Managerinnen hat diese Unterscheidung praktische Folgen. Wenn eine KI direkt mit Dateien arbeitet, gewinnen Versionskontrolle, Änderungsrechte und Freigabeprozesse an Bedeutung.
Stellen Sie sich beispielsweise eine Excel-Liste mit Budgetdaten vor. Solange Copilot nur erklärt, welche Formel sinnvoll wäre, bleibt die eigentliche Änderung bei Ihnen. Microsoft ermöglicht inzwischen jedoch auch die Bearbeitung einer Arbeitsmappe über den Copilot-Chat. Tabellen, Formeln, Diagramme oder PivotTables können dabei verändert beziehungsweise erzeugt werden.
Das kann erheblich Zeit sparen. Professionell wird diese Arbeitsweise aber erst, wenn klar ist, welche Veränderungen Sie der KI überlassen können und welche Ergebnisse Sie vor der Weitergabe kontrollieren müssen.
Kann Copilot inzwischen mehr als Texte formulieren?
Auch in Outlook verschiebt sich die Rolle der KI. Microsoft hat das E-Mail-Coaching von Copilot so erweitert, dass Schreibvorschläge während des Verfassens zugänglich sind und direkt auf eine Nachricht angewendet werden können.
Für Assistenzkräfte ist das ausgesprochen praktisch. Tonalität, Klarheit und Wirkung einer Nachricht lassen sich schneller überarbeiten. Gerade bei Routinekorrespondenz kann das Arbeit abnehmen.
Doch eine sprachlich elegante E-Mail kann sachlich trotzdem falsch sein.
Copilot kennt nicht automatisch jede interne Absprache, jeden politischen Unterton einer Korrespondenz oder jede Konsequenz einer verbindlichen Zusage. Deshalb verschiebt sich die Kompetenz von der reinen Formulierung zunehmend zur fachlichen Endredaktion.
Beim Umgang mit personenbezogenen Daten kommt eine weitere Ebene hinzu. Der Beitrag Copilot & Outlook-Kontakte: Datenschutz im Büro sicher gestalten erläutert bereits, warum Berechtigungen, Datenpflege und organisatorische Regeln entscheidend bleiben, wenn Copilot auf Outlook-Daten zugreift.
Für den Arbeitsalltag lässt sich daraus eine einfache Regel ableiten: KI darf sprachlich verbessern. Verbindlichkeit dürfen Sie nicht an sie delegieren.
Warum wird die Qualität Ihrer Unternehmensdaten plötzlich noch wichtiger?
Wenn eine KI auf Unternehmenswissen zugreifen kann, entsteht leicht der Eindruck, das System wisse nun, „was bei uns gilt“.
Genau hier sollten Sie aufmerksam werden.
Organisationen besitzen häufig nicht eine einzige, eindeutig gepflegte Wissensquelle. In einem Ordner liegt die aktuelle Richtlinie, in einem anderen eine frühere Fassung. Eine Kollegin arbeitet noch mit einer alten Vorlage. Ein SharePoint-Bereich wurde aktualisiert, das Dokument auf dem Netzlaufwerk dagegen nicht.
Eine KI kann technisch korrekt auf solche Informationen zugreifen und trotzdem die falsche Quelle verwenden.
Microsoft erweitert Copilot deshalb um immer mehr Möglichkeiten, Organisationsdaten und externe Datenquellen in den Arbeitskontext einzubeziehen. Zugleich werden Agenten und deren Freigaben zunehmend administrierbar. In den Microsoft-365-Copilot-Release-Notes wird beispielsweise ein geregelter Prozess beschrieben, über den unternehmensintern entwickelte Agenten nach einer administrativen Prüfung in einem Agent Store veröffentlicht werden können.
Das macht deutlich: KI-Governance beginnt nicht beim Prompt, sondern bei der Ordnung der Informationen.
Wer fünf widersprüchliche Richtlinien im System liegen hat, bekommt durch KI nicht automatisch mehr Klarheit. Im ungünstigsten Fall wird die Unordnung lediglich schneller ausgewertet.
Das ist insbesondere für Sekretariate interessant, weil sie häufig genau an den Schnittstellen arbeiten, an denen Wissen gepflegt, verteilt und angewendet wird.
Was bedeutet es, wenn KI-Agenten direkt in Office arbeiten?
Hier liegt wahrscheinlich die größte Veränderung.
Ein klassischer Chatbot antwortet auf eine Frage. Ein Agent kann – abhängig von seinen Werkzeugen und Berechtigungen – einen Arbeitsauftrag in mehrere Schritte zerlegen und diese Schritte ausführen.
Microsoft dokumentiert inzwischen den Zugriff auf MCP-basierte Agenten direkt innerhalb von Word, Excel, PowerPoint und Outlook. Nutzerinnen können dadurch aus den vertrauten Office-Anwendungen heraus mit solchen Agenten arbeiten.
Auch OpenAI baut die Verbindung zwischen ChatGPT und externen Anwendungen aus. Damit verschwimmt die bisher recht klare Grenze zwischen „KI fragen“ und „KI arbeiten lassen“.
Wie groß dieser Unterschied sein kann, haben wir bereits im Beitrag ChatGPT im Agentenmodus: Wenn KI im Büro nicht mehr antwortet, sondern arbeitet ausführlich dargestellt. Dort wird ein zentraler Unterschied sichtbar: Der normale Chat unterstützt einzelne Arbeitsschritte, während ein Agent mehrere Schritte eines Prozesses miteinander verbinden kann.
Für den Büroalltag sollte deshalb künftig genauer unterschieden werden, welchen Handlungsspielraum eine KI erhält.
Eine sinnvolle Abstufung lautet:
| Stufe | Was die KI tut | Kontrollbedarf |
|---|---|---|
| Lesen | Informationen erfassen | Quelle und Zugriffsrecht prüfen |
| Analysieren | Inhalte vergleichen und strukturieren | Schlussfolgerungen kontrollieren |
| Empfehlen | Vorschläge für Entscheidungen liefern | Fachlich bewerten |
| Bearbeiten | Dateien oder Inhalte verändern | Änderungen nachvollziehen |
| Ausführen | Aktionen selbst vornehmen | Berechtigungen und Folgen prüfen |
| Entscheiden | Auswahl mit unmittelbarer Wirkung treffen | Besonders hohe organisatorische und rechtliche Anforderungen |
Zwischen diesen Stufen liegen erhebliche Unterschiede. Ein System, das einen Formulierungsvorschlag macht, besitzt einen anderen Einfluss auf einen Prozess als ein Agent, der selbst auf Daten zugreift und anschließend eine Aktion ausführt.
Warum beschäftigt sich auch die öffentliche Verwaltung mit agentischer KI?
Für viele Mitglieder des Verbandes ist dieser Punkt besonders interessant, weil sie in Behörden und anderen öffentlichen Einrichtungen arbeiten.
Die Bundesregierung setzt bereits die zentrale KI-Plattform KIPITZ ein. Eine Bundestagsdrucksache beschreibt unter anderem Funktionen zum Zusammenfassen von Dokumenten, zum Chatten mit Wissensquellen, zur Transkription von Audio sowie zur Übersetzung von Texten und Dokumenten.
KIPITZ wird nach Angaben der Bundesregierung in Rechenzentren des ITZBund betrieben und kann vertrauliche Daten bis zum Schutzgrad VS-NfD verarbeiten. Ende Juni 2026 stand die Plattform bereits einer Vielzahl von Bundesministerien und Bundesbehörden zur Verfügung.
Gleichzeitig wird politisch bereits darüber diskutiert, wie die Bundesverwaltung digitaler und leistungsfähiger werden soll. Eine Kleine Anfrage von Bündnis 90/Die Grünen vom 28. Juli 2026 zur Umsetzung der Modernisierungsagenda des Bundes fragt nach konkreten Vorhaben der Verwaltungsmodernisierung, deren Umsetzung und den dafür vorgesehenen Strukturen. Dabei werden auch Fragen der Digitalisierung und des Datenschutzes aufgegriffen. Eine Kleine Anfrage ändert keine Rechtslage; sie zeigt aber, dass die Rahmenbedingungen einer zunehmend digitalisierten Verwaltung auch parlamentarisch weiter diskutiert werden.
Gerade für Beschäftigte im öffentlichen Dienst ist deshalb der Beitrag Ein Prompt zu viel? Warum KI im Büro jetzt Verantwortung bedeutet eine sinnvolle Vertiefung. Dort steht nicht die technische Begeisterung im Mittelpunkt, sondern die Frage, welche Verantwortung entsteht, sobald KI mit personenbezogenen Informationen oder komplexeren Arbeitsaufträgen verbunden wird.
Muss eine Sekretärin diese ganzen Regeln jetzt selbst beherrschen?
Nein. Diese Erwartung wäre weder sinnvoll noch fair.
IT-Abteilung, Datenschutzbeauftragte, Informationssicherheit, Führungskräfte und Fachabteilungen tragen jeweils eigene Verantwortlichkeiten. Eine Assistenz muss nicht nebenbei zur Datenschutzjuristin oder Systemadministratorin werden.
Sie benötigt aber genügend Verständnis, um einen kritischen Übergang zu erkennen.
Wenn eine neue Funktion plötzlich auf das komplette Postfach zugreifen kann, sollte eine Rückfrage selbstverständlich sein. Wenn ein Meeting aufgezeichnet werden soll, obwohl niemand über Aufzeichnung und Speicherung gesprochen hat, ebenso. Wenn ein Agent Originaldateien verändern darf, muss klar sein, wie Änderungen geprüft und gegebenenfalls rückgängig gemacht werden.
Die professionelle Kompetenz besteht also nicht darin, jede rechtliche oder technische Frage selbst beantworten zu können. Sie besteht darin, die richtige Frage rechtzeitig zu stellen.
Genau das unterscheidet Kontrolle von Misstrauen.
Welche fünf Fragen sollten Sie bei jeder neuen KI-Funktion stellen?
Bei aller technischen Vielfalt lässt sich die Prüfung erstaunlich gut auf fünf Fragen reduzieren:
1. Auf welche Daten greift die KI zu?
Eine E-Mail ohne vertrauliche Informationen ist etwas anderes als ein Personalvorgang, eine Vertragsakte oder ein vollständiges Unternehmenspostfach.
2. Darf die KI nur lesen oder auch verändern?
Dieser Unterschied wird mit Agenten und direkten Dateiaktionen immer wichtiger.
3. Welche Quelle ist verbindlich?
Eine KI kann nur mit dem arbeiten, was ihr zugänglich ist. Liegen mehrere Fassungen einer Richtlinie vor, muss geklärt sein, welche davon gilt.
4. Wer prüft das Ergebnis fachlich?
Technisch erzeugt bedeutet nicht fachlich freigegeben.
5. Wie lässt sich der Vorgang nachvollziehen?
Bei relevanten Änderungen sollte später erkennbar sein, was die KI verändert oder auf welcher Grundlage sie gearbeitet hat.
Diese Fragen lösen nicht jedes Governance-Problem. Sie helfen Ihnen aber dabei, neue Funktionen nicht einfach danach zu beurteilen, ob sie beeindruckend aussehen, sondern danach, ob sie in Ihrem konkreten Arbeitsprozess kontrolliert eingesetzt werden können.
Was ist die wichtigste KI-Kompetenz im Sekretariat 2026?
Vielleicht haben Sie in den vergangenen zwei Jahren gelernt, wie ein guter Prompt aufgebaut ist. Sie haben Rollen definiert, Kontext geliefert, Ausgabeformate vorgegeben und KI-Ergebnisse kritisch gelesen.
Das bleibt sinnvoll.
Doch die Entwicklung geht weiter.
Wenn KI nur einen Text formuliert, liegt der Schwerpunkt auf der Qualität ihrer Antwort. Wenn sie Dateien bearbeitet, Meetings dokumentiert, Organisationswissen durchsucht oder Aktionen ausführt, müssen Sie zusätzlich den Arbeitsprozess der KI beurteilen.
Das ist eine andere Kompetenz.
Sie könnten sie Aufsichtskompetenz nennen: zu wissen, welche Daten genutzt werden dürfen, welche Quelle maßgeblich ist, welche Berechtigung benötigt wird, welche Änderung kontrolliert werden muss und an welcher Stelle menschliche Entscheidung unverzichtbar bleibt.
Die Assistenz wird dadurch nicht zur Kontrollinstanz für die gesamte Unternehmens-KI. Aber sie wird häufiger an genau den Stellen sitzen, an denen technische Möglichkeit und organisatorische Wirklichkeit aufeinandertreffen.
Und dort entscheidet sich, ob KI wirklich Arbeit abnimmt oder neue Fehler produziert.
Schlussgedanke
Die interessanteste KI-Neuerung des Sommers 2026 ist deshalb keine einzelne Schaltfläche in ChatGPT, Gemini, Copilot oder Outlook. Bedeutender ist die gemeinsame Richtung: KI verlässt zunehmend das reine Chatfenster und rückt in die tatsächlichen Büroprozesse hinein.
Sie hört bei Meetings mit, arbeitet mit Dokumenten, greift auf Organisationswissen zu und kann – abhängig von System und Berechtigung – einzelne Arbeitsschritte übernehmen.
Das eröffnet enorme Möglichkeiten für Sekretärinnen, Assistenzen und Kaufleute für Büromanagement. Gerade repetitive Übergangsarbeiten können kleiner werden, Informationen schneller verfügbar sein und Vorbereitungsprozesse deutlich effizienter laufen.
Doch Entlastung und Kontrolle sind keine Gegensätze. Je stärker eine KI in einen Prozess eingreifen darf, desto wichtiger wird ein sauber definierter Kontrollpunkt.
Vielleicht lautet die entscheidende Frage deshalb künftig nicht mehr ausschließlich:
„Kann die KI das?“
Sondern:
„Was darf sie dabei sehen, was darf sie verändern – und wer prüft das Ergebnis, bevor daraus eine Handlung wird?“
Quellen
Für die aktuellen technischen Entwicklungen wurden insbesondere die offiziellen Dokumentationen und Release Notes von OpenAI, Google Workspace und Microsoft sowie Veröffentlichungen des Deutschen Bundestages und der Bundesregierung herangezogen. OpenAI dokumentiert die erweiterten Google-App-Aktionen und die dafür erforderlichen Berechtigungen. Google beschreibt die Weiterentwicklung von „Take notes for me“ und die administrierbare Zustimmung zu Aufzeichnung, Transkription und KI-Notizen. Microsoft dokumentiert unter anderem die Bearbeitung von Excel-Dateien mit Copilot sowie MCP-Agenten in Office-Anwendungen. Für die Verwaltung wurden Veröffentlichungen zu KIPITZ sowie parlamentarische Unterlagen zum KI-Einsatz in Verwaltungsverfahren verwendet.
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Viele der hier behandelten Inhalte entstehen aus dem Austausch mit Teilnehmenden der Fachtagungsreihe des Verbands der Sekretärinnen. Sie spiegeln Fragen, Erfahrungen und Entwicklungen aus dem Büroalltag rund um das Thema Ki & ChatGPT im Sekretariat wider.
