Gendern im Büro? Warum Regeln allein nicht helfen – und was wirklich funktioniert 

Schreiben im Büro: Wenn jeder Satz zur Gratwanderung wird

Es beginnt oft harmlos. Eine E-Mail, ein Rundschreiben, eine Einladung. Ein Text, der eigentlich informieren soll. Und plötzlich stehen Sie da – zwischen Erwartung, Regelwerk und persönlicher Haltung. Schreiben fühlt sich nicht mehr nach Routine an, sondern nach Entscheidung.

Viele Sekretärinnen und Assistenzen erleben genau das: Egal, wie sie formulieren, irgendjemand runzelt die Stirn. Zu modern. Zu klassisch. Zu politisch. Zu vorsichtig. Und während draußen über Sprache diskutiert wird, sitzt man im Büro und denkt: Ich will doch einfach nur korrekt, professionell und arbeitsfähig schreiben.

Ich bin gespannt, ob Sie diesen inneren Dialog kennen. Man liest einen Satz dreimal, ändert ihn, ändert ihn zurück und hofft, dass sich niemand daran stößt. Schreiben kostet Zeit. Schreiben kostet Nerven. Und manchmal kostet Schreiben sogar Vertrauen, weil niemand mehr weiß, worauf man sich berufen kann.

Genau hier beginnt das eigentliche Problem. Nicht beim Genderstern. Nicht beim Doppelpunkt. Sondern bei der fehlenden arbeitsfähigen Linie. Denn Bürokommunikation braucht Klarheit – keine Dauerdebatte.

  

Painpoints im Büroalltag: Warum gendergerechtes Schreiben so oft blockiert

Painpoint 1: Jede Formulierung wirkt wie eine Haltung

Im Büro schreiben Sie nicht privat. Sie schreiben im Auftrag, für andere, mit Außenwirkung. Trotzdem wird jede Wortwahl plötzlich als persönliche Position gelesen. Das erzeugt Druck – und Unsicherheit.

Painpoint 2: Es gibt Regeln – aber keine Klarheit

Im Büroalltag prallen verschiedene Regelwerke und Erwartungen aufeinander, und gerade beim gendergerechten Schreiben wird das besonders deutlich. Der Duden liefert Orientierung zu Formulierungen und zeigt Möglichkeiten auf, legt aber keine verbindlichen Regeln für gendergerechte Texte im Geschäftsverkehr fest. Das führt dazu, dass viele sich in Varianten verlieren: Genderstern, Doppelpunkt, Schrägstrich oder neutrale Begriffe – alles ist möglich, nichts ist eindeutig.

Hinzu kommt der Hausstil Ihres Unternehmens oder Ihrer Verwaltung. Er kann völlig anders aussehen als das, was Kolleginnen im Alltag verwenden – und oft auch anders als das, was die Führungskraft bevorzugt. Manche möchten die klassische Doppelnennung, andere moderne Zeichen, wieder andere ausschließlich neutrale Substantive. Das Ergebnis ist ein Sprachmix, der mehr verunsichert als hilft.

Die DIN 5008 bringt an dieser Stelle eine wichtige, oft übersehene Perspektive ein. Sie regelt seit 2020 die Gestaltung von Geschäftsbriefen und E-Mails und legt großen Wert auf Lesbarkeit, Struktur und Verständlichkeit. Zwar schreibt sie nicht vor, wie gegendert werden muss, sie zeigt aber in Beispielen klar: Gendergerechte Formen sind im professionellen Schriftverkehr zulässig und akzeptiert.

Ein Beispiel: Die DIN 5008 führt neben klassischen Anreden auch gendergerechte Varianten wie „Sehr geehrte Kolleg*innen“ auf. Damit macht sie deutlich: Gendern ist kein Regelbruch, sondern eine mögliche Form – solange Klarheit und Lesbarkeit gewahrt bleiben.

Und trotzdem bleibt der Alltag diffus:

  • Der Duden bietet Optionen ohne Verbindlichkeit

  • der Hausstil widerspricht sich

  • Führungskräfte setzen eigene Vorlieben durch

  • Kolleginnen schreiben unterschiedlich

  • und die DIN 5008 sagt sinngemäß: Verständlichkeit zuerst, Ausgestaltung offen

➡️ Kernschmerz:
Es fehlt eine arbeitsfähige Linie, auf die Sie sich berufen können. Eine Linie, die Schreiben effizient, verständlich und konfliktarm macht – ohne jedes Mal Grundsatzfragen neu zu verhandeln. Genau hier setzen praxisnahe Leitlinien und Weiterbildungen wie die Fachtagung der Sekretariate & Assistenzen 2026 an.

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Warum Grundsatzdebatten im Büro nichts lösen – und trotzdem ständig geführt werden

Grundsatzdebatten haben im Büro einen merkwürdigen Reiz. Sie klingen wichtig, moralisch aufgeladen und irgendwie größer als der Alltag. Genau deshalb brechen sie immer wieder auf – oft genau dort, wo eigentlich nur eine E-Mail geschrieben oder ein Dokument finalisiert werden müsste.

Das Problem ist nicht die Debatte an sich. Das Problem ist der Ort, an dem sie geführt wird. Der Büroalltag ist kein Seminarraum und kein gesellschaftliches Experimentierfeld. Er ist ein Arbeitsraum. Und Arbeitsräume brauchen Entscheidungsfähigkeit, nicht Dauerreflexion.

Wenn jede Formulierung erst durch die Frage gefiltert wird, was grundsätzlich richtig wäre, entsteht Stillstand. Schreiben wird zäh, Texte werden weichgespült oder überladen, Verantwortlichkeiten verschwimmen. Die Folge: Niemand fühlt sich mehr sicher, niemand möchte entscheiden, niemand möchte „schuld“ sein.

Hier zeigt sich ein zentrales Missverständnis:
Gendergerecht schreiben im Büro bedeutet nicht, eine perfekte Lösung für alle zu finden. Es bedeutet, eine tragfähige Lösung für den Arbeitsalltag zu etablieren. Eine Lösung, die wiederholbar ist. Verteidigbar. Und vor allem: erklärbar.

Genau deshalb brauchen Büros keine Grundsatzdebatten, sondern Arbeitsentscheidungen. Entscheidungen, die sagen: So machen wir es hier. Nicht für immer. Aber für jetzt.

  

Der Perspektivwechsel: Schreiben ist eine Arbeitsleistung, keine Meinungsäußerung

Dieser Perspektivwechsel ist entscheidend – und oft befreiend.
Sobald Schreiben als Arbeitsleistung verstanden wird, verändert sich alles. Texte müssen dann nicht mehr „alles richtig machen“, sondern ihre Aufgabe erfüllen.

Die Aufgabe von Bürokommunikation ist klar: informieren, koordinieren, einladen, entscheiden vorbereiten. Nicht provozieren. Nicht polarisieren. Nicht überzeugen um jeden Preis. Sondern verständlich, professionell und adressatengerecht sein.

Hier kommt ein wichtiger Fachbegriff ins Spiel: Adressatenorientierung. Gemeint ist damit nicht, was ich sagen will, sondern was beim Gegenüber ankommen soll. Und genau hier liegt der Schlüssel für gendergerechtes Schreiben im Büroalltag.

Eine coole Sekretärin erkennt: Nicht jede Zielgruppe braucht dieselbe sprachliche Lösung. Interne Kommunikation funktioniert oft anders als externe. Ein Rundschreiben an Mitarbeitende folgt anderen Logiken als ein Schreiben an Bürgerinnen, Kunden oder Geschäftspartner.

Wissensmanagement im Büro – und dazu gehört auch Sprachkompetenz – bedeutet, diese Unterschiede bewusst zu steuern. Nicht jedes Mal neu zu diskutieren, sondern bewusst zu entscheiden.

 Lesen Sie dazu auch  Moderne Korrespondenz im Büro

  

Die 3 Wege, die im Büroalltag funktionieren – ohne Grundsatzdebatte

Jetzt kommen wir zum Kern des Beitrags. Nicht theoretisch, sondern praxistauglich. Diese drei Wege funktionieren branchenübergreifend – in Verwaltung, Unternehmen und Organisationen.

Weg 1: Die funktionale Lösung – Verständlichkeit vor Symbolik

Dieser Weg fragt nicht: Was ist ideologisch korrekt?
Sondern: Was ist für die Mehrheit klar lesbar und verständlich?

Die funktionale Lösung setzt auf:

  • neutrale Begriffe („Team“, „Leitung“, „Beschäftigte“)

  • klare Satzstrukturen

  • Verzicht auf sprachliche Stolpersteine in langen Texten

Sie ist besonders geeignet für:

  • externe Schreiben

  • formelle Kommunikation

  • Texte mit rechtlicher oder organisatorischer Relevanz

Der Vorteil: Sie ist ruhig, sachlich, belastbar.
Der Nachteil: Sie wirkt manchmal nüchtern. Aber genau das ist im Büro oft ein Pluspunkt.

Weg 2: Die konsistente Lösung – ein Stil, der trägt

Dieser Weg ist besonders wichtig für Teams. Er sagt: Wir einigen uns – und bleiben dabei. Unabhängig davon, was Einzelne privat bevorzugen. Konsistenz schafft Sicherheit. Und Sicherheit spart Zeit.

Die konsistente Lösung basiert auf:

  • einer festgelegten Schreibweise (z. B. Doppelpunkt oder neutrale Formen)

  • klaren Beispielen

  • einer kurzen internen Leitlinie

Sie ist besonders geeignet für:

  • interne Kommunikation

  • Serienmails, Einladungen, Protokolle

  • Texte, die regelmäßig erstellt werden

Der große Vorteil: Sie entlastet. Niemand muss jedes Mal neu überlegen. Niemand muss diskutieren. Man kann sich berufen.

Weg 3: Die pragmatische Lösung – je nach Kontext entscheiden

Dieser Weg erfordert Erfahrung – und wird oft unterschätzt. Er akzeptiert, dass Bürokommunikation nicht eindimensional ist. Interne Teams, externe Partner, öffentliche Kommunikation: alles hat eigene Regeln.

Die pragmatische Lösung bedeutet:

  • bewusste Differenzierung

  • klare Begründung („intern so, extern anders“)

  • Rückendeckung durch Führung oder Organisation

Sie ist besonders geeignet für:

  • Sekretärinnen mit koordinierender Rolle

  • Schnittstellenfunktionen

  • komplexe Organisationen

Der Vorteil: maximale Passung.
Der Nachteil: Sie braucht Rückhalt – und genau deshalb ist Weiterbildung hier so wichtig.

   

Übersicht: Regelwerke vs. Arbeitsrealität

Orientierung

Was sie bietet

Was sie nicht leistet

Duden

Sprachliche Möglichkeiten

Keine Verbindlichkeit

Hausstil

Interne Orientierung

Oft unvollständig

DIN 5008

Lesbarkeit & Struktur

Keine Sprachpflicht

Führung

Richtung & Erwartung

Nicht immer konsistent

Teamalltag

Praxis & Erfahrung

Keine klare Linie

Diese Tabelle zeigt sehr deutlich:
Keine Instanz allein löst das Problem. Arbeitsfähigkeit entsteht erst, wenn Orientierung übersetzt wird – in klare, alltagstaugliche Entscheidungen.

Die Rolle des Sekretariats: Verantwortung tragen, ohne allein zu entscheiden

Sekretärinnen und Assistenzen stehen beim Thema gendergerechtes Schreiben in einer besonderen Position. Sie schreiben viel, oft im Auftrag, häufig mit Außenwirkung. Gleichzeitig entscheiden sie selten allein über die grundsätzliche Linie. Genau hier entsteht Spannung.

Denn in der Praxis heißt es oft: „Mach das bitte passend.“
Was „passend“ bedeutet, bleibt offen. Und plötzlich tragen Sie Verantwortung für Ton, Wirkung und mögliche Reaktionen – ohne eine klare Rückendeckung. Das ist kein sprachliches Problem, sondern ein organisatorisches.

Professionelle Assistenz bedeutet heute nicht, jede Entscheidung selbst zu treffen. Sie bedeutet, arbeitsfähige Vorschläge zu machen, Optionen einzuordnen und Konsequenzen sichtbar zu machen. Genau hier wird Sprache zur Kompetenz – und nicht zur Ideologie.

Eine erfahrene, coole Sekretärin weiß: Wenn es keine Linie gibt, wird jede Formulierung zur Einzelfallentscheidung. Das kostet Zeit, Energie und oft unnötige Abstimmungsschleifen. Mit einer klaren Linie dagegen wird Schreiben wieder das, was es sein soll: ein Werkzeug.

Und genau deshalb ist gendergerechtes Schreiben kein Randthema. Es ist Teil moderner Bürokommunikation, Teil von Wissensmanagement und Teil professioneller Entlastung – für Teams und Führungskräfte gleichermaßen.

   

Warum klare Leitlinien mehr entlasten als perfekte Lösungen

Viele Organisationen zögern, verbindliche Sprachleitlinien festzulegen. Aus Angst, jemanden zu verprellen. Aus Angst vor Veränderung. Oder aus Angst, sich festzulegen. Doch das Gegenteil ist der Fall: Unklarheit erzeugt mehr Reibung als jede Entscheidung.

Eine Leitlinie muss nicht perfekt sein. Sie muss funktionieren. Sie darf pragmatisch sein. Sie darf sich entwickeln. Aber sie muss Orientierung geben. Denn Orientierung ist das, was im Büroalltag fehlt – nicht Meinungen.

Ich bin gespannt, ob Sie diesen Effekt kennen: 

Sobald klar ist, wie geschrieben wird, verschwindet ein großer Teil der inneren Anspannung. Texte entstehen schneller. Rückfragen nehmen ab. Diskussionen verlagern sich von der Wortebene zurück zur Sachebene.

Und genau hier schließt sich der Kreis: Gendergerecht schreiben ist kein Selbstzweck. Es ist ein Teil davon, Arbeitsfähigkeit zu sichern. Und Arbeitsfähigkeit entsteht nicht durch Debatten, sondern durch Entscheidungen, die getragen werden.

  

Klar sichtbar: Warum die Fachtagung 2026 genau hier ansetzt

Fachtagung der Sekretariate & Assistenzen 2026: Sprache, Klarheit, Arbeitsfähigkeit

An diesem Punkt wird deutlich, warum viele Organisationen das Thema nicht intern „nebenbei“ lösen können. Es fehlt oft der neutrale Raum, um genau solche Fragen praxisnah zu klären – jenseits von Grundsatzdiskussionen.

Die Fachtagung der Sekretariate & Assistenzen 2026 setzt genau hier an. Sie behandelt Sprache nicht als politisches Statement, sondern als Werkzeug professioneller Bürokommunikation. Mit Beispielen, Leitlinien und Entscheidungslogiken, die im Alltag tragen.

Teilnehmerinnen erhalten dort:

  • praxisnahe Orientierung zu gendergerechtem Schreiben

  • Einordnung von Duden, DIN 5008 und Hausstilen

  • Argumentationshilfen für Führung und Teams

  • Sicherheit im Umgang mit sensiblen Texten

Meine Empfehlung ist klar: Wenn Sie sich nicht länger zwischen Erwartungen zerreiben lassen wollen, sondern eine arbeitsfähige Linie suchen, ist die Fachtagung 2026 der richtige Ort, um genau das zu klären – fundiert, praxisnah und ohne ideologische Schlagseite.


Schlussgedanke

Gendergerecht schreiben im Büroalltag bedeutet nicht, alles richtig zu machen. Es bedeutet, klar, verständlich und professionell zu kommunizieren, ohne jedes Mal neu zu diskutieren, wer recht hat.

„Ohne Grundsatzdebatte“ heißt nicht ohne Haltung. Es heißt: mit Fokus auf das, was Büroarbeit ausmacht. Arbeitsfähigkeit. Verlässlichkeit. Entlastung.

Wenn Sie es schaffen, eine Linie zu etablieren, auf die Sie sich berufen können, wird Schreiben wieder leichter. Und genau das ist der Maßstab für gute Bürokommunikation: Sie fällt nicht auf – sie funktioniert.

  

typische Fragen

Was bedeutet gendergerecht schreiben im Büroalltag konkret?
Es bedeutet, Texte so zu formulieren, dass sie verständlich, respektvoll und arbeitsfähig sind – ohne politische Grundsatzfragen in den Vordergrund zu stellen.

Muss ich mich beim Gendern an den Duden halten?
Der Duden bietet Orientierung, aber keine verbindlichen Vorgaben für den Geschäftsverkehr. Entscheidend ist eine interne, arbeitsfähige Linie.

Welche Rolle spielt die DIN 5008 beim gendergerechten Schreiben?
Die DIN 5008 regelt Lesbarkeit und Struktur. Sie zeigt, dass gendergerechte Formen im professionellen Schriftverkehr möglich und akzeptiert sind, ohne sie vorzuschreiben.

Wie gehe ich mit unterschiedlichen Erwartungen von Führung und Team um?
Indem Sie Optionen transparent machen und auf Leitlinien verweisen. Klare Regeln entlasten – für alle Beteiligten.

Wo kann ich mich praxisnah zu diesem Thema weiterbilden?
Auf der Fachtagung der Sekretariate & Assistenzen 2026, die Sprache, Bürokommunikation und Arbeitsfähigkeit praxisnah verbindet.

Viele der hier behandelten Inhalte entstehen aus dem Austausch mit Teilnehmenden der Fachtagungsreihe des Verbands der Sekretär:innen & Assistenzen. Sie spiegeln Fragen, Erfahrungen und Entwicklungen aus dem Büroalltag rund um das Thema Professionelle Büro-Kommunikation wider. 

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